<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><!-- generator="wordpress.com" -->
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	>

<channel>
	<title>postmoderne &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/postmoderne/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "postmoderne"</description>
	<pubDate>Wed, 09 Jul 2008 17:23:06 +0000</pubDate>

	<generator>http://wordpress.com/tags/</generator>
	<language>en</language>

<item>
<title><![CDATA[mir fällt kein Titel ein daher: es geht um Digital History und Postmoderne]]></title>
<link>http://netzgeschichte.wordpress.com/2008/07/05/mir-fallt-kein-titel-ein-daher-es-geht-um-digital-history-und-postmoderne/</link>
<pubDate>Sat, 05 Jul 2008 10:47:15 +0000</pubDate>
<dc:creator>Max</dc:creator>
<guid>http://netzgeschichte.wordpress.com/2008/07/05/mir-fallt-kein-titel-ein-daher-es-geht-um-digital-history-und-postmoderne/</guid>
<description><![CDATA[Ich beschäftige mich gerade mit Foucault und dem ganzen anderen post-zeug, das ich trotz der flapsi]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Ich beschäftige mich gerade mit Foucault und dem ganzen anderen post-zeug, das ich trotz der flapsigen Schreibweise meistens <a href="http://netzgeschichte.wordpress.com/2008/02/25/beyond-hayden-white/">sehr interessant</a> und für <a href="http://netzgeschichte.wordpress.com/2008/01/23/hayden-white-die-suche-nach-der-wahrheit-geht-weiter/">äußerst wichtig</a> halte. Bedrückend hierbei ist nur, das eine wirkliche Beschäftigung mit post... (modern, strukturalistisch, kolonial) in den Geschichtswissenschaft kaum erfolgt. Eine Dozenten hat es gut auf den Punkt gebracht, es gibt diese äußerst schlauen theoretischen Erörterungen über Geschichte in der Postmoderne, aber sobald es an die Quellen geht wird Geschichte geschrieben wie früher. In der Einleitung steht dann, ja es gibt nicht die historische Realität, die wir aufdecken können, wir müssen den Diskurs über die Vergangenheiten beschreiben ... (das ist schon fortgeschritten) und im Hauptteil wird dann trotzdem wieder Geschichte geschrieben wie das Historiker seit Jahrzehnten tun. Entweder mit Ereignissen oder Strukturen und wenn sie hip sind mit beidem.</p>
<p>Soviel zum Rumgemecker. Die eigentliche Frage, die für mich aufkommt, ist, wie man dem Diskurs in der Digital History auf die Spur kommen könnte. Nicht der Diskurs der Digital History, sondern wie kann man Geschichtschreibung, die sich mit der Kreation von Geschichte, Identität und Wissen und den Machtbeziehungen, die sich in diesem Prozess materialisieren, im Internet transportieren. "Klassische" Darstellungen von Geschichte im Internet sind nun häufig Chronologien (in Form von <a href="http://netzgeschichte.wordpress.com/2008/06/20/die-zeitleiste/">Timelines</a>) oder das Aufzeigen von synchronen Entwicklungen irgendwo auf der Welt bei Google Maps. Das hat aber kaum Erkenntniswert und bleibt bei Darstellung hängen. Wo für mich auch das Problem der Darstellung aus vielen Perspektiven liegt. Häufig kann man ohne Problem unterschiedliche Gruppenspezifische Vergangenheiten rekonstruieren, die miteinander in Konkurrenz stehen und unterschiedliche Gegenwartsbezogene Positionen untermauern sollen.</p>
<p align="right">Besonders schön sieht man sowas in dem Landstrich der landläufig als Israel oder Palästina bezeichnet wird.Schon allein die Unterscheidungen, die sich in Bezug auf Vergangheit und daraus die Konstruktion einer Identität im allein jüdischen Diskurs ergeben sind kaum zu überschauen. Hier entstehen binäre Paare wie Galut und Eretz Israel, Einwanderung und Auswanderung, der neue Hebräer - der alte "Ghettojude". Erweiterbar in der israelischen Gesellschaft durch kulturelle und die Identität des Staates herausfordernde Konflikte zwischen Aschkenazim und Mizrahim (Jüdische Einwanderer aus Staaten des Mitteleren und Nahen Ostens). Wenn dieser Diskurs noch durch die häufig zu Grunde liegende Problematik des Konflikts zwischen Palätinensern und (ja was schreib ich jetzt) Israelis/Juden erweitert wird, ergeben sich zahlreiche Vergangenheiten, die als grundsätzlich wahr angesehen werden. DIese werden herangezogen zur Konstruktion einer Legitimation des eigenen Handelns und zur Stiftung einer Identität inklusive der nötigen Exklusionsprozesse.</p>
<p>Wie soll man so etwas im Rahmen digitaler Geschichtsschreibung, die über die klassische Rezeption papierner Publikationstechniken hinausgeht darstellen. Wenn man versucht die verschiedenen Vergangenheiten zu rekonstruieren bleibt man dann eben nicht nur auf der darstellende Ebene und kommt kaum zu einem Ergebnis. Wie lassen sich Machtprozesse (im positiven wie negativen Sinne Foucaults) visualisieren, so dass eine erweiterte Nutzung über den Text hinaus ermöglicht wird und ein ganz anderes Verständnis produziert wird.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA["Kirchenverbesserung"?]]></title>
<link>http://expetheo.wordpress.com/?p=9</link>
<pubDate>Tue, 01 Jul 2008 22:11:09 +0000</pubDate>
<dc:creator>expetheo</dc:creator>
<guid>http://expetheo.wordpress.com/?p=9</guid>
<description><![CDATA[Ein langer und heißer Tag geht zu Ende - mit viel Inhalt, vielen Gesprächen über multimediale Kan]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Ein langer und heißer Tag geht zu Ende - mit viel Inhalt, vielen Gesprächen über multimediale Kanäle, hohen Temperaturen, netten Begegnungen, Zeit für die Familie (wenn auch wieder wenig), kurze Zeit zum Einkaufen - und dazwischen? "Im Auftrag des Herrn unterwegs" - wie es so schön heißt.</p>
<p>Heute habe ich mich bei Friedrich Schleiermacher über das Thema "Kirchenverbesserung" aufklären lassen. Was ist das eigentlich? Nun: In seiner Christlichen Sittenlehre hat er die Kirchenverbesserung (übrigens neben der Kirchenzucht - noch so ein toller Begriff) im Rahmen des "reinigenden und wiederherstellenden Handelns" (schon wieder so zwei Begriffe...). </p>
<p>Worum geht es? Es geht darum, dass die Kirche (oder wie wir Freikirchler sagen: Gemeinde) aufgrund ihres eigenen als unvollkommen zu bezeichnenden Zustandes eines reinigenden Handelns bedarf, das einmal von der Gemeinschaft ausgeht und auf den Einzelnen zielt (dann ist es Kirchenzucht), oder das vom Einzelnen auf die Gemeinschaft wirkt (das ist die Kirchenverbesserung). </p>
<p>Nun haben ja ziemlich viele Menschen in der Kirche Ideen zu deren Verbesserung. Ich natürlich auch! :-) Deshalb ist es aber so wichtig, zu sehen, wie so etwas sich dann auch gelingend vollziehen kann. Und da hat Schleiermacher eine geniale Idee (finde ich!): Alles Verändern beginnt bei einem selbst. Klingt einleuchten, nicht gerade neu, aber doch irgendwo genial. Wenn wir uns das mal klar machen, was das genau heißt... Veränderung beginnt bei mir - und nur bei mir. </p>
<p>Aber dann: Diese meine Überzeugung, dass sich an einigen Stellen - wohlgemerkt der Kirche, nicht an anderen Menschen - etwas ändern muss, soll in einem zweiten Schritt nun andere Einzelne erreichen. Dadurch wird eine Überzeugung also gewissermaßen salonfähig gemacht. Man redet miteinander. Bespricht die Dinge, die einen bewegen. Sucht gemeinsam nach Lösungsansätzen und Wegen. Klingt höchst spannend, würde ich sagen. </p>
<p>Um es abzukürzen: Die Überzeugung gewinnt am Ende soviel Raum, dass die Gesamtheit erreicht wird. Damit hört das reinigende Handeln durch Kirchenverbesserung dann auch schon auf. Wenn eine neue Überzeugung die Gesamtheit der Gemeinde ergriffen und erreicht hat, ist Schluss mit der Kirchenverbesserung - freilich bis zur nächsten Verbesserungsidee.</p>
<p>Bis hierhin kein Problem, oder? Jetzt aber kommt der Knackpunkt: Hinter allem Handeln steht das Vorbild Jesu Christi. Sein Handeln ist leitendes Vorbild für alles Handeln in der Kirche - also auch die "Verbesserung der Kirche". Klingt eigentlich schön postmodern, wenn es nicht von Schleiermacher vor 200 Jahren geschrieben worden wäre.<br />
Gemerkt habe ich mir, mit welchem Vers Schleiermacher das alles zusammenbringt: Epheser 4,15 mit seinem "wahrhaftigsein in der Liebe" - das ist die hohe Latte des Vorbildes Jesu, die auch unseren gegenseitigen Umgang prägen soll: </p>
<p>"Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der ﻿﻿das Haupt ist, Christus."</p>
<p>Wenn wir das schaffen, dann verbessern wir die Kirche (oder eben Gemeinde) definitiv.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Rückführung auf das Kerngeschäft der Kirche]]></title>
<link>http://expetheo.wordpress.com/?p=5</link>
<pubDate>Wed, 25 Jun 2008 15:11:14 +0000</pubDate>
<dc:creator>expetheo</dc:creator>
<guid>http://expetheo.wordpress.com/?p=5</guid>
<description><![CDATA[In unserer Gemeinde macht seit kurzem ein geflügeltes Wort die Runde: &#8220;Rückführung auf das ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>In unserer Gemeinde macht seit kurzem ein geflügeltes Wort die Runde: "Rückführung auf das Kerngeschäft der Kirche". Darüber kann natürlich viel disktuiert werden: Was ist das Kerngeschäft der Kirche eigentlich? Reicht es, wenn wir uns dazu an Apg 2 orientieren? Wie sieht die ganze Sache aus, wenn wir Paulus hinzunehmen? Sind wir bei diesem Thema mitten drin in der Debatte, die rund um die Fragen nach einer postmodernen Kirche oder Kirche des 21. Jh. zu stellen sind?</p>
<p>Aus systematisch-theologischer Perspektive betrachtet sind mindestens drei Schritte unverzichtbar, um Antworten zu finden:</p>
<p>1. Begriffsklärung von "Kerngeschäft"</p>
<p>2. Begriffsklärung von "Rückführung"</p>
<p>3. Beschreibung des Phänomens "Rückführung auf das Kerngeschäft"</p>
<p>Na, dann mal los! :-)</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Schogetten]]></title>
<link>http://marschflugkoerper.wordpress.com/?p=1404</link>
<pubDate>Fri, 20 Jun 2008 12:39:57 +0000</pubDate>
<dc:creator>Mark</dc:creator>
<guid>http://marschflugkoerper.wordpress.com/?p=1404</guid>
<description><![CDATA[So, when Shoggoths attack, they’re doing more than beheading vegetables; they’re breaking the Hu]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>So, when Shoggoths attack, they’re doing more than beheading vegetables; they’re breaking the Humanist world view, and replacing it with something far more chaotic, far more anarchic, far more accepting of a chaos of multiple viewpoints and multiple versions of truth. Something very close to the postmodern worldview, in fact, which accepts multiplicity and a consequent inchoacy as a fundamental, defining principle of life.</p></blockquote>
<p>Eine aussagekräftige <a href="http://allumination.wordpress.com/2008/06/18/were-the-shoggoths-now/">Lovecraft-Analyse</a> aus postmoderner Perspektive.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[interessant und danaben - warum die Frage nach Relevanz gut ist]]></title>
<link>http://siyach.wordpress.com/?p=617</link>
<pubDate>Thu, 12 Jun 2008 10:54:52 +0000</pubDate>
<dc:creator>marlster</dc:creator>
<guid>http://siyach.wordpress.com/?p=617</guid>
<description><![CDATA[Mein Bedenken ist nicht, dass du scheitern wirst
Sondern Erfolg im Nebensächlichen haben wirst
Als ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Mein Bedenken ist nicht, dass du scheitern wirst<br />
Sondern Erfolg im Nebensächlichen haben wirst</p></blockquote>
<p>Als weltoffener Mensch interessiert mich, was Leute denken und mit ihrem Leben machen. Manchmal treffe ich Leute, die sich sehr in eine Sache vertiefen und sichtbar von ihr angetan sind. Und wenn ich ihnen die Frage stelle: und was bringt das? dann schauen sie als ob ich nach der Gleichung zur Lösung von Welthunger gefragt hätte.</p>
<p>Wenn man in einem Feld studiert – und mit vielen anderen Experten in diesem Feld rumhängt – dann steigert man sich gegenseitig hoch. Fast wie bei meinem Sohn auf dem Spielplatz. Aber nach einer Weile kann diese Diskussion zum Selbstzweck werden und man verliert den Realitätsbezug. Eine <a href="http://www.12manage.com/methods_christensen_disruptive_innovation.html">Theorie aus der Wirtschaft</a> kann hier helfen:</p>
<p>In jedem Feld gibt es Forschung und technischen Fortschritt. Das ist gut, weil bessere Produkte lassen sich besser verkaufen. Mit den besseren Produkten wächst dann auch der Anspruch an Produkte und die Forscher müssen immer weiter forschen. Allerdings gibt es einen Haken bei der Sache: die Forscher sind schneller als die Kunden ihren Anspruch entwickeln können. Man sieht das in der Autobranche: die meisten Autos fahren, haben auch Klimaanlage und GPS. Was brauchst du noch? Aber die Forscher machen natürlich alles noch besser und besser, was das Auto aber immer teurer macht und für die ganz Reichen dann gut genug ist. Damit bringen sich die etablierten Firmen aber irgendwann in eine große Gefahr: sie haben eine tolles, ausgefeiltes Produkt, das sehr teuer ist und weit mehr als die meisten Leute brauchen. <em>Overshooting</em> nennt man das.</p>
<p><a href="http://Keine"><img class="alignnone size-full wp-image-618" src="http://siyach.wordpress.com/files/2008/06/disruptive_innovation_model.png" alt="" width="378" height="247" /></a></p>
<p>Jetzt kann eine kleine, fernöstlicher Firma herkommen, ein sticknormales Auto zusammenschrauben und das ganze für ein Appel und ein Ei anbieten (disruptive innovation nennt man das dann). Und auf einmal rennen die schönen Herren Forscher und Nobelautohersteller in den Bankrott. Weil ihre Angebote gehen am Markt vorbei.</p>
<p>Die meisten Intellektuellen sind keinen wirtschaftlichen Zwängen unterlegen. Die dürfen forschen was sie wollen, das muss keiner kaufen wollen. Daher ist es dort noch etwas schwieriger zu merken, wenn das total an den Leuten vorbei geht. Wenn ich so Stücke und Fetzen aus einem Theologie-Studium mitbekomme, drängt sich mir schon die Frage auf: was interessiert denn das? (die Antwort ist oft: na, mich).</p>
<p>Das Problem mit Relevanz ist natürlich, dass man das nicht immer gleich weiß. Manchmal muss man erst was verstehen, bevor man sagen kann: das hätte ich mir schenken können. Die erste Erkenntnis ist aber, dass man sich eingesteht, dass man sich manche Dinge schenken kann, selbst wenn die interessant sind.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Rolf Froböse, Die geheime Physik des Zufalls (Rezension)]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/?p=302</link>
<pubDate>Thu, 29 May 2008 16:56:57 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/?p=302</guid>
<description><![CDATA[Es wird Zeit, den kleinen Exkurs in die tolldreiste Quanten-Seelenwelt abzuschließen. Das soll dann]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Es wird Zeit, den kleinen Exkurs in die tolldreiste Quanten-Seelenwelt abzuschließen. Das soll dann nicht geschehen, ohne sich mit dem Buch selbst zu beschäftigen: ein Buch, das die Beschäftigung eigentlich nicht verdient hätte, zöge sich die unselige PR (oder das, was mir als solche erscheint) nicht durch einen beträchtlichen Teil des Netzes und hätte sie es so nicht bis in den Wissenschaftsteil der WELT und jetzt auf die Internetseiten eines wissenschaftsjournalistischen Berufsverbands geschafft. Lesern wird so weisgemacht, es handele sich um ein genuin um die wissenschaftlichen Zusammenhänge bemühtes Buch, um eine ernsthafte und tiefe Auseinandersetzung mit metaphysischen Themen und vor allem ihrer möglichen Verankerung in der Quantenphysik. [1] Diesen Anspruch erfüllt das Buch nicht. Und obwohl es an zig Stellen so genannte Rezensionen gibt, die sich allesamt auf die überall auftauchenden, vorgefertigten „Exklusiv-Auszüge" stützen, scheint das Buch keiner gelesen zu haben; zumindest zur sachgerechten inhaltlichen Besprechung, aus der dies deutlich würde, hat es danach wohl nicht mehr gereicht.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Rezension: Rolf Froböse, Die geheime Physik des Zufalls. Quantenphänomene und Schicksal.</strong></p>
<p style="text-align:justify;"><!--more--></p>
<p style="text-align:justify;">Bevor man sich auf den Inhalt des Buches einlässt, muss man eigentlich erst festhalten, dass es ein sehr dünnes Büchlein ist. Effektiv erhält man etwa 100 Seiten in seniorenfreundlicher Schriftgröße und großzügig angelegtem Satzbild. Auch für langsame Leser sollte ein möglicherweise auftretendes Lesevergnügen kaum länger als zwei Stunden vorhalten; Vielleser brauchen vielleicht eine.</p>
<p style="text-align:justify;">In Anbetracht der Vorbesprechungen ist es allerdings eher bedenklich, mit was diese hundert Seiten gefüllt werden. Ankerpunkt des Buches ist der Zufallsbegriff. Zumindest räumlich steht aber nicht eine Auseinandersetzung mit dem Begriff im Vordergrund, sondern eine lose Folge von Erzählungen über Zufälle. Vielleicht die Hälfte des Buches bestehen aus solchen Geschichtchen: der Autor verliert sein Nummernschild, und es wird gefunden (mysteriös: von jemandem aus seinem Geburtsort); der Autor trifft in einer Bar jemanden aus seinem Geburtsort (mysteriös: der Autor wollte schon gehen). Das steigert sich dann im Laufe des Buches bis auf Einzelbeispiele „prophetischer" Träume und vermeintlicher Geisterscheinungen -- ein Beispiel, das weit beispielhafter für den eigentlichen Inhalt ist als die <a href="http://kritischgedacht.wordpress.com/2008/04/19/jenseitige-quantenphsiker/">teils aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate</a> mal berühmter, mal obskurer Wissenschaftler, findet man in den aktuellen <a href="http://readers-edition.de/2008/05/25/verstorbener-erschien-teilnehmern-einer-trauerfeier/">PR-Versuchen</a> des Autors.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei all dem geht es darum, eine Dichotomie zwischen zwei postulierten Arten des Zufalls anekdotisch zu belegen. Die eine ist der gewöhnliche Zufall, der beliebig unwahrscheinlich erscheinen mag, aber an dem sonst nichts besonderes ist; die andere soll eine spezielle Art Zufall sein, die in Wirklichkeit auf geheimnisvollen Beziehungen im Hintergrund basiert. Diese Unterschiedlichkeit bleibt allerdings stets nur Behauptung und wird nie klar vollzogen. So ist ein Lottogewinn nur normaler Zufall, die britische Familie, in der drei Kinder am gleichen Tag in unterschiedlichen Jahren geboren werden, könnte aber auch auf etwas zutiefst mysteriöses hinweisen. Es genügt zu sagen, dass die Wahrscheinlichkeit für den zweiten Fall ganz massiv höher ist als die für den Lottogewinn, um die Banalität so eines nur auf den ersten Blick besonderen Zufalls zu zeigen, ganz ohne sich auf Spekulationen über jahreszeitlich bedingte Paarungsvorlieben von Engländern einzulassen. [2] Nüchtern betrachtet scheint der einzige Unterschied zwischen beiden Arten Zufällen darauf zu beruhen, dass Froböse einige bedeutsam findet, andere nicht. Einige beziehen sich auf Banalitäten, andere auf Persönliches oder gar Jenseitiges. Vielleicht sähe er das im Einzelfall auch anders, wenn er nur mal im Lotto gewonnen hätte.</p>
<p style="text-align:justify;">Der eigentliche, wenigsten in Ansätzen wissenschaftliche Teil, mit dem seit Wochen geworben wird und der das Buch (auf welchem Weg auch immer) auf die Wissens-Seite der WELT gebracht hat, nimmt überhaupt nur sehr geringen Raum im Buch ein. Zu diesem Zweck führt der Autor zwei „Physiker" ein, die er einen behäbig und bieder inszenierten Dialog aufführen lässt; wenn man schon sonst an dem Buch nichts findet, so erzeugen die Passagen beim Literaturliebhaber möglicherweise wenigstens Dankbarkeit, dass der Autor den ganzen Stoff nicht noch als Roman aufbearbeitet hat. In seinen Darstellungen des Buches beschreibt der Autor das als knallhartes Gespräch zwischen einem Konservativen (der "vehement die 'klassische' Seite der Physik vertritt") und einem Avantgardisten. In Wirklichkeit übernimmt der eine die Rolle des Stichwortgebers, der andere schildert abenteuerliche, mit physikalischen Begriffen vermengte Gedankenfragmente, die, so denn überhaupt, kaum hinterfragt werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Dabei findet auch keine wirklich wissenschaftlich basierte Auseinandersetzung mit den vorgebrachten Konzepten und Ideen statt. Bestenfalls werden die vorgeblichen Zusammenhänge knapp und oberflächlich erläutert, dann folgt die abenteuerliche Spekulation, wie die mit herunterfallenden Bildern, der Seele oder dem Jenseits zu tun haben könnte. Zur Quantenverschränkung, die den Großteil der Vorabberichte ausmachen, kommt kaum etwas, was nicht schon in diesen zu finden ist; sollte jemand hoffen, eine wirklich tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Thema im Buch zu finden, so wird er enttäuscht werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Ansonsten finden sich illustre Ideen wie die, dass die Seele auch identisch mit einer Gesamtwellenfunktion des einzelnen Menschen sein könnte. Das wird nicht begründet, nicht mal näher erläutert. Etwaig aufkommende Nachfragen werden stattdessen durch zwei neue Geistergeschichten zu verscheuchen versucht. Unsterblich ist die Seele derweil, weil es in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Viele-Welten-Interpretation">Viele-Welten-Interpretation</a> auch eine Spekulation über <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Quantenselbstmord">Quanten-Unsterblichkeit</a> gibt. Eine Spekulation, die selbst noch mehrere Stufen hypothetischer ist  als die Viele-Welten-Interpretation selbst; das Gedankenspiel selbst, das erst mal eine Behandlung punktueller Zufälle darstellt, ist wesentlich erschöpfender und detaillierter als im Buch bei der englischen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Quantum_suicide_and_immortality">Wikipedia</a> ausgeführt. Dieses wird auch gar nicht in Zusammenhang gesetzt mit der vorherigen These über die Seelen-Wellenfunktion, und dem Autor fällt offensichtlich nicht auf, dass beide etwas ganz anderes aussagen und sich die beiden weitgehend inhaltsleeren Bilder eher widersprechen.</p>
<p style="text-align:justify;">Man kommt an der Stelle leider nicht umhin, noch mal darauf hinzuweisen, wie kurz die Veröffentlichung ist und wie wenig Platz überhaupt der Beschäftigung mit wenigstens ansatzweiser wissenschaftlicher Thematik eingeräumt wird. Die wissenschaftliche Hypothesen werden nicht nur nicht hinterfragt oder als solche ernst genommen, sondern dienen nur als Stichworte, um, aus Wissenschaftlersicht schon willkürlich, Zusammenhänge her- und Behauptungen aufzustellen. Dass Rolf Froböse im Netz Kritikern nicht antworten kann oder will, wenn diese nach Hintergründen und physikalischer Verankerung für die von ihm behaupteten Zusammenhänge fragen, wie etwa Quantenverschränkung mit all seinen Geschichten zusammenhängen könnte, erklärt sich wohl auch daraus, dass er auch im Buch keinen Versuch dazu unternommen hat. An keiner Stelle wird über die Physik-Stichworte herausgedacht: wäre das nicht tragisch, wenn die Seelen-Wellenfunktion kollabieren würde? Oder breitet sie sich stattdessen streng kausal immer weiter aus? Postuliert die Quantenunsterblichkeit, in der wir nicht sterben können, weil wir immer nur Welten sehen, in denen sich der Teil der Viele-Welten-Theorie materialisiert, in dem wir noch leben, nicht doch die traurigste aller Welten: in der alles um uns herum stirbt, nur wir selbst nicht? Und wie plausibel ist das? Keine ernstzunehmenden Erklärungen der Wissenschaft, kein relevantes Hinterfragen, ein allgemeiner Mangel an kritischer Betrachtung: erhofft man sich Erkenntnisse oder zumindest interessante wissenschaftliche oder philosophische Spekulation, enttäuscht das Buch alle außer wirklich sehr niedrige Ansprüchen.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Wem kann man das Buch überhaupt empfehlen? Schilderungen mysteriöser Zufälle und Spekulationen über den Zufall gibt es in großer Zahl, weit umfangreicher und billiger im esoterischen Milieu; wesentlich besser erzählt auch im literarischen. Wissenschaft findet im Buch kaum statt; die wissenschaftjournalistischen Höhepunkte sind tatsächlich schon in den „Exklusiv-Auszügen" abgedruckt. Man lernt in einer Stunde Wikipedia mehr über Quantenphysik als bei der Lektüre des Buches und erspart sich die mysteriösen Geschichtchen und unbelegten Spekulationen. Es bleibt da eigentlich nur die Sparte derer, die mal wieder Anregung brauchen, in welche quantenphysikalischen Stichworte man ihre esoterischen oder religiös motivierten Phantasien vermeintlich wissenschaftlich einkleiden kann.</p>
<p style="text-align:justify;">Auch für solche Gruppen ein Buch zu schreiben, ist nicht unstatthaft, wirtschaftlich gesehen vielleicht sogar clever. Es möglichst breiträumig als wissenschaftliches Werk zu bewerben, es durch sich als Wissenschaftsjournalisten bezeichnende Kollegen bejubeln zu lassen, ist da schon eher grenzwertig. Als sich selbst als seriös begreifende Redaktion sich nicht damit auseinanderzusetzen, für was man da bei sich Werbung betreibt oder betreiben lässt, hätte aber eigentlich die deutlichsten Worte verdient. Wenn man nicht eh genauso gut gegen eine Wand reden könnte.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">[1] <span style="color:#808080;">Natürlich sind die Bezeichnungen „wissenschaftlich" oder gar „seriös" nicht gesetzlich geschürzt. Es steht also jedem frei, ein knappes Büchlein über unser Oma ihr klein Häuschen als seriös-wissenschaftliche Darstellung zu vermarkten. So frei steht es mir, dem aus meinem Begriffsverständnis zu widersprechen.</span></p>
<p style="text-align:justify;">[2] <span style="color:#808080;">Wobei die Wahrscheinlichkeit auch von Froböse angegeben wird. Es wirkt mitunter etwas diffus, was er dem Leser eigentlich mit solchen Beispielen mitteilen will.</span></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Nachtrag:</strong> Rolf Froböse weist mich daraufhin, dass die oben geschilderte Geschichte von einer amerikanischen, nicht einer britischen Familie handelt und er daran auch wenig mysteriöses findet. Zudem ist die Geschichte in der Bar tatsächlich einem Bekannten passiert, nicht Froböse selbst.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Trainer für Trainer]]></title>
<link>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=613</link>
<pubDate>Sun, 25 May 2008 14:18:20 +0000</pubDate>
<dc:creator>chezweitausendeins</dc:creator>
<guid>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=613</guid>
<description><![CDATA[Kürzlich führte ich im Bekanntenkreis ein Gespräch über Bewerbungen, und da berichtete ein alter]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Kürzlich führte ich im Bekanntenkreis ein Gespräch über Bewerbungen, und da berichtete ein alter Freund eine Story, die er vor Jahren erlebt hatte. Von Haus aus war er Sozialwissenschaftler und lebte als freier Dozent, der bei verschiedenen Bildungsträgern EDV-Seminare und  Kurse zur  politischen Bildung gab.  An der Sozialwissenschaftlichen Fakultät und dem Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft fand er zwei identische Aushänge, denen zufolge ein Ökonom oder Sozialwissenschaftler mit Berufserfahrung aus der Erwachsenenbildung als Trainer für Trainer gesucht wurde. Er bewarb sich also, wurde auch zum Vorstellungsgespräch eingeladen und erlebte sein blaues Wunder.</p>
<p>Es empfing ihn ein in eine Azzarro-Wolke gehüllter junger Mann von vielleicht 23 Jahren im Armani-Anzug, mit einem Pfund Pomade im Haar, fettem goldenen Siegelring und einer ebenso protzig wie billig aussehenden Uhr made in Singapore.</p>
<p>Sein Gegenüber erwiderte weder seinen Gruß, noch stellte er sich namentlich vor, sondern blätterte heftig schwitzend in der Bewerbungsmappe meines Freundes und fragte, ohne ihm ins Gesicht zu sehen: "Wieso haben Sie sich beworben, um bei uns als Trainer für Trainer zu arbeiten?". Es klang wie "was willst Du Wichser hier?". Um es kurz zu machen, unter Trainer für Trainer war nichts anderes zu verstehen als ein Coach für Motivationstrainer im Strukturvertrieb, eine Tätigkeit so halbwegs zwischen Drückerkolonne und Scientology. Und dafür werden Akademiker gesucht....</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die wirklich großen Fragen trägt der Mensch am Fuß]]></title>
<link>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=598</link>
<pubDate>Fri, 16 May 2008 07:32:35 +0000</pubDate>
<dc:creator>momorulez</dc:creator>
<guid>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=598</guid>
<description><![CDATA[Fragen, die die Welt bewegen. Heute: Die taz:
&#8220;Woran liegt es nur, dass die Reliquien des gesc]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Fragen, die die Welt bewegen. Heute: Die taz:</p>
<blockquote><p><a href="http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/das-weisse-grauen/?src=TE&#38;cHash=3adb37250e" target="_blank">"Woran liegt es nur, dass die Reliquien des geschmacklosesten Jahrzehnts plötzlich wieder tragbar sind? Ist es Ratlosigkeit?"</a></p></blockquote>
<p>An der These der Ratlosigkeit mag etwas dran sein - beim Durchlesen des Feuilletons der ZEIT gestern abend befiel mich auch so ein Gefühl. Da wird die Neuro-Ästhetik dementer Hirnforscher wortreich kritisiert, als wäre das nötig, dumm wie die ist - und Diedrich Diedrichsen verbreitet Irrelevantes über die Tom Waits-Coverversionen von Scarlett Johansson. Der chronisch neben dem Thema daher besserwissende Hanno Rauterberg regt sich über den Weltausstellungs-Pavillion in Shanghai auf, als ginge es um den Untergang des Abendlandes und einen Wettlauf der Kulturnationen. Der hat ja die Tendenz zum Spenglern. Während ein sehr fotogener, englischer Dramatiker auch nicht anders kann, als sich als Zwerg vor den unerreichten Monumenten Tschechow und Beckett zu fühlen - eine ganze DIE ZEIT-Seite lang. Und der Interviewer, der Tschechow in's Gespräch bringt, hat diesen noch nicht mal im Ansatz begriffen. Behauptet er doch, dessen Gedanke sei, daß in ferner Zukunft, in 200, 300 Jahren, der Mensch dann gut würde, üppig lebte und glücklich guckte.</p>
<p>Das läßt mein Freund Anton tatsächlich seine Figuren sagen, er tut's jedoch, um deren Passivität im Hier und Jetzt zu zelebrieren und auch zu <em>zeigen</em>, nicht zu kommentieren, daß gerade solche Eigentümlichkeiten wie die Utopisierung den Menschen als solchen erst liebenswert machen. Weil man nur lieben kann, worüber man auch lachen kann. Und weil dieses seltsame Geschöpf zum  Knuddeln ist, wenn es Unsinn <em>redet</em> und dabei z.B. niedlich lächelt, einfach, um Kontakt zu halten nach langen Sommertagen, Beisammensein ausfüllend, ist doch egal, was man da quatscht, wenn man abends in den Salons russischer Landgüter zusammen sitzt  - nicht jedoch liebenswert ist, wenn das Geschöpf Mensch zum Feuilletonisten mutiert Unsinn <em>schreibt</em>.</p>
<p>Schön war's, ganz im Gegensatz dazu mal wieder einen längeren Text von Fritz J. Raddatz zu lesen, ganz anders als Franziska Seybold kann der nämlich schreiben. Der bürstet positiv verschroben Sprache gegen den Strich und zeigt sich so seinem Gegenstand, der Literatur, gewachsen.</p>
<p>Frau Seybold hingegen merkt gar nicht, daß viel schlimmer als das Tennis-Socken-Revival, gegen das ich gar nix habe, ich mag die Dinger, ist, daß sie stilistisch in eben jener Jauche schwimmt, die sie so wortreich kommentiert: 80er-Jahre-Zeitgeist-Suppe halt. Polyluxig. Auch noch ganz dümmlich mit Bourdieu versetzt, ja doch, man MUSS das attackieren: Scheint Berlin-Mitte vor allem dadurch determiniert, die Banalität von Leuten wie Stuckrad-Barre in Endlosigkeit fortzuschreiben ist. Der war zwar eher in den 90ern erfolgreich, weil er Oasis-Song-Titel über Kapitel schrub und so das, was am Flaggenrausch der WM nervte, vorwegnahm - dieses ekle "Deutschland, Pop-Nation". Was, Polke zum Trotze, niemals wahr werden wird, das sieht man doch schon an den Entwürfen zum Weltausstellungs-Pavillion in Shanghai!</p>
<p>Schuld sind daran jedoch nicht die Socken der 80er, sondern deren "Journalismus", der so zäh weiter fließt durch die Schwarzwaldklinikhaftigkeit der Gazetten, die sich hip geben. Am schlimmsten aktuell in der Spex. Buaaaah.</p>
<p>Wäre ich jetzt Franziska Seybold, dann würde ich mit einem Satz wie dem folgenden enden:</p>
<blockquote><p>"Man darf gespannt sein."</p></blockquote>
<p>Das ist so eine Konstruktion wie "Bleibt zu hoffen, daß." Oder "Warten wir's ab, ob."  Wie ich das hasse. Bringt denen eigentlich niemand mehr was bei?</p>
<p>Raddatz hingegen endet so:</p>
<blockquote><p>"Zum Ende hin wird der Ballon - um Pynchons Eingangs- und Schlussbild zu paraphrasieren - faltig, schlaff und schleifend; die Halteseile scheuern durch."</p></blockquote>
<p>Na, der Kontrast, der ist wohl offenkundig. Jenseits der Beliebigkeit hinein in die Bildhaftigkeit, spezifisch am Gegenstand orientiert: Leute, lest lieber die alten Granden, anstatt euch in "man darf gespannt sein!" zu ergehen. Dann seid ihr auch nicht mehr ratlos, wenn ihr die Tennis-Socke überstreift ...</p>
<p>PS:Den letzten Satz von Rauterberg stelle ich einfach mal zur Diskussion: "Das Abenteuer Architektur überlässt sie fröhlich anderen Staaten." Na, wie ist der?</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Apropos:]]></title>
<link>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=593</link>
<pubDate>Mon, 12 May 2008 20:19:40 +0000</pubDate>
<dc:creator>momorulez</dc:creator>
<guid>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=593</guid>
<description><![CDATA[Gerade im St. Pauli-Forum verlinkt gefunden - herrlich:
http://youtube.com/watch?v=uiKIlwNVElY
]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade im St. Pauli-Forum verlinkt gefunden - herrlich:</p>
<p><a href="http://youtube.com/watch?v=uiKIlwNVElY" target="_blank">http://youtube.com/watch?v=uiKIlwNVElY</a></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wie kann es gehen?]]></title>
<link>http://neudenker.wordpress.com/?p=7</link>
<pubDate>Thu, 08 May 2008 16:14:24 +0000</pubDate>
<dc:creator>Sam</dc:creator>
<guid>http://neudenker.wordpress.com/?p=7</guid>
<description><![CDATA[
Wir leben im dritten Jahrtausend nach Jesus. Vieles hat sich verändert. Unsere Gesellschaft tickt ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div>
<p>Wir leben im dritten Jahrtausend nach Jesus. Vieles hat sich verändert. Unsere Gesellschaft tickt anders als früher. Wir sind in der Postmoderne. Es ist an der Zeit neu zu denken. Viele Christen haben viel Gutes bewirkt. Viele Christen haben total versagt. Ich werde auch Fehler machen. Ich will vieles besser machen. Wie kann das gelingen? Darum geht es. In diesem Blog. Und in meinem Leben.</p>
</div>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Welcome to the Blogosphere!]]></title>
<link>http://crazykaro.wordpress.com/?p=52</link>
<pubDate>Tue, 29 Apr 2008 12:46:46 +0000</pubDate>
<dc:creator>crazykaro</dc:creator>
<guid>http://crazykaro.wordpress.com/?p=52</guid>
<description><![CDATA[Tadaaa! Die Blogomanie greift weiter um sich, und nun kann ich stolz einen ganz besonderen Neuzugang]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Tadaaa! Die Blogomanie greift weiter um sich, und nun kann ich stolz einen ganz besonderen Neuzugang ankündigen: Meine Lieblingsverteidigerin der Menschenrechte und Meinungsfreiheit, die Verfechterin von rosarotem Pop und Postmoderne, die Spalterin des Spiegels: *tusch* <a href="http://milaloops.wordpress.com/"><span style="color:#ff00ff;"><strong>MILA'S LOOPS</strong></span></a>!! Meine Seelenschwester, die jetzt mit mir zusammen die unendlichen Weiten der Blogosphäre erkundet! Aktuell: <span style="color:#ff00ff;"><strong><span><a href="http://milaloops.wordpress.com/2008/04/29/was-ist-schon-wirklich-gta-iv-first-impressions/">Poppige First Impressions zum brandneuen GTA IV</a></span></strong></span> - Unbedingt reinklicken und das Blog-Greenhorn willkommen heißen!</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Was ist schon wirklich? GTA IV - First Impressions]]></title>
<link>http://milaloops.wordpress.com/?p=24</link>
<pubDate>Tue, 29 Apr 2008 10:57:46 +0000</pubDate>
<dc:creator>Mila Loops</dc:creator>
<guid>http://milaloops.wordpress.com/?p=24</guid>
<description><![CDATA[Wow, die schöne neue Welt kündigt sich pompös an: Nachdem ich und mein Postbote diverse Formulare]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal">Wow, die schöne neue Welt kündigt sich pompös an: Nachdem ich und mein Postbote diverse Formulare ausgefüllt haben, um zu bestätigen, dass ich nicht nur mindestens 18 Jahre alt bin, sondern dass ich auch wirklich ich bin (da fängt es schon an mit der Realitätskonstruktion), liegt jetzt vor mir neben Grand Theft Auto IV tatsächlich ein Stadtplan und ein Reiseführer.</p>
<p class="MsoNormal">(Die Hersteller haben schon im Vorfeld versprochen, dass der neueste Teil der Computerspielserie echter als echt wird. Der Spieler ist nicht mehr an eine Storyline gebunden, sondern kann sich frei bewegen und frei entscheiden, was er wann warum auch immer tut)</p>
<p class="MsoNormal">Also willkommen in „Liberty City“, dem Ort des Geschehens!</p>
<p class="MsoNormal">Wie real die virtuelle Welt von Grand Theft Auto IV dann tatsächlich ist, wird sich sicherlich in den nächsten Tagen herausstellen. Doch die Zusatzutensilien sind viel versprechend: Die Karte von Liberty City lässt sich schon mal genauso blöd falten, wie ein echter Stadtplan. Sie verweist darüber hinaus auf Sehenswürdigkeiten, Resaturants, Shopping-Möglichkeiten sowie Unterhaltung und Nachtleben. Auch Notfall-Einrichtungen wie Polizei, Krankenhaus und Feuerwehr sind gelistet. Dreht man die Karte um, hat man einen Plan des U-Bahnnetzes vor sich liegen.</p>
<p class="MsoNormal">(Ich dachte ja, in GTA fährt man tendenziell eher mit dem Auto, aber auch hier belehrt mich die Karte eines besseren: Taxi, UBahn, Chauffeurservice, Auto, Motorrad, Boot und Helikopter! stehen neben meinen eigenen Füßen als Transportmittel zur Verfügung)</p>
<p class="MsoNormal">Der Reiseführer gibt mir neben Tipps zur Freizeitgestaltung auch „überlebenswichtige Informationen“: „Die Bewohner von Liberty City sind bekannt dafür, dass sie keinen Spaß verstehen. Sie passen sich am besten an, indem Sie schnell gehen und einen zornigen Blick aufsetzen“.</p>
<p class="MsoNormal">Klingt ja fast wie die echte Welt – Jean Baudrillard wäre sicherlich entzückt!</p>
<p class="MsoNormal">Ok, dann packe ich jetzt mal mein Handy ein („Mit dem Handy haben Sie Zugriff auf Ihre Kontakte und einige wichtige Einrichtungen in Liberty City. Außerdem können Sie damit wunderbar um vier Uhr morgens sturzbetrunken Ihre/n Ex-Freund/in anrufen“), stelle meinen Kragen hoch, ziehe mir die Mütze tief ins Gesicht und blicke zornig in meine virtuelle Zukunft.</p>
<p class="MsoNormal">Also auf, nach Liberty City.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Der Freizeit-Planer]]></title>
<link>http://milaloops.wordpress.com/?p=22</link>
<pubDate>Fri, 25 Apr 2008 13:57:59 +0000</pubDate>
<dc:creator>Mila Loops</dc:creator>
<guid>http://milaloops.wordpress.com/?p=22</guid>
<description><![CDATA[Hurra, Evolution! Die private Kommunikation hat einen Schritt nach vorne getan: Unter www.freitimer.]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal">Hurra, Evolution! Die private Kommunikation hat einen Schritt nach vorne getan: Unter www.freitimer.net sagt uns nun endlich ein Tool, wie wir unsere Freizeit schnell, einfach und vor allem effektiv organisieren können.</p>
<p class="MsoNormal">(Natürlich muss man dem Netz mal wieder ein paar persönliche Daten füttern, um Teil dieser einzigartigen Community zu werden, aber wen stört’s?)</p>
<p class="MsoNormal">Der Freitimer also bietet der Gesellschaft ein sehr öffentliches privates schwarzes Brett, an das Freizeitveranstaltungen gepinnt werden sollen. Der User und alle seine Freunde loggen sich ein und können nun koordinieren, wann es ins Kino geht, wer gegen wen am Samstag Basketball spielt und so fort. Mittels eines ausgeklügelten Email-Sms-Informations-Systems weiß man nun stets, wann etwas los ist und wer mit wem.</p>
<p class="MsoNormal">Fabian Angerer, einer der Erfinder dieses neuen Web2.0-Gymmicks, erklärte unlängst in einem Interview, wie er auf die Idee zu Freitimer gekommen ist: „Irgendwie sind wir nicht mehr fähig, Zusagen zu machen“. Ach so.</p>
<p class="MsoNormal">Da stelle man sich doch nur einmal vor, man müsse seine 20 bis 30 engsten Freund per Telefon (!) kontaktieren, um dann verbindliche (!!) Verabredungen zu treffen. Für den Mensch der Postmoderne eine Zumutung.</p>
<p class="MsoNormal">Wie schön, dass man jetzt zusätzlich zu seinem Terminkalender ein papierloses Freizeitbüro auf dem Schirm hat, das einen an Termine erinnert und beharrlich Zu- und Absagen fordert. Auf dem schwarzen Brett (das natürlich nur für die Menschen aus der eigenen Community sichtbar ist) kann man dann erklären, warum man kommt. Oder auch nicht („Sorry, Hund gestorben“).</p>
<p class="MsoNormal">So weit, so gut. Ein bisschen Wehmut an die Zeiten guter alter Kommunikationsformen packt einen dann doch. Wie schön war es, als man Menschen bei Einladungen zu seiner Party noch gezielt übergehen konnte. Wenn man aus persönlicher Antipathie oder temporärer Überbeanspruchung einfach mal vergessen hat, den ein oder anderen Freund anzurufen.</p>
<p class="MsoNormal">Jetzt, im autoritären Freizeitsystem, wird das so schnell nicht mehr passieren. Denn hier sind alle gleich. Also auf, Usergenossen, in die Zukunft - wo Privates nicht mehr privat ist und uns die individuelle Entscheidung darüber abgenommen wird, mit wem wir unsere Freizeit verbringen möchten und mit wem nicht.</p>
<p class="MsoNormal">
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Travestie, Gender oder Sex? ]]></title>
<link>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=563</link>
<pubDate>Tue, 22 Apr 2008 07:21:21 +0000</pubDate>
<dc:creator>momorulez</dc:creator>
<guid>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=563</guid>
<description><![CDATA[Natur, Kultur oder Kunst? Eine Ästhetik der Existenz oder des Erscheinens? Oder Möglichkeiten vor ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Natur, Kultur oder Kunst? Eine Ästhetik der Existenz oder des Erscheinens? Oder Möglichkeiten vor der Erfindung der Sexualität? Oder vielmehr Ausdrucks des Patriarchats?</p>
<p>Das "Pulverfass" gibt's ja auch noch, aber Beatrix, Sarkozy oder Elisabeth schauen da nicht vorbei, wenn sie mal in der Stadt sind ...</p>
<blockquote><p>"Goethe sagte, als er in Rom Frauenrollen durch Männer dargestellt sah: "... ich fühlte ein mir noch unbekanntes Vergnügen und bemerkte, daß es viele andere mit mir teilten. Ich dachte der Ursache nach und glaubte, sie darin gefunden zu haben: daß bei einer solchen Vorstellung, der Begriff der Nachahmung, der Gedanke an Kunst, immer lebhaft blieb (...) (Es) besteht ein doppelter Reiz daher, daß diese Personen keine Frauenzimmer sind, sondern Frauenzimmer vorstellen. Der Jüngling hat die Eigenheiten des weiblichen Geschlechts in ihrem Wesen und Betragen studiert; er kennt sie und bringt sie als Künstler wieder hervor; er spielt nicht nur sich selbst, sondern eine dritte und eigentlich fremde Natur. Wir lernen diese dadurch nur desto besser kennen, weil sie jemand beobachtet, jemand überdacht hat, und uns nicht die Sache, sondern das Resultat der Sache vorgestellt wird. Da sich nun alle Kunst hierdurch vorzüglich von der eigentlichen Nachahmung unterscheidet, so ist natürlich, daß wir bei einer solchen Vorstellung eine eigene Art von Vergnügen empfinden ... Ich wiederhole also: man empfand das Vergnügen, nicht die Sache selbst, sondern ihre Nachahmung zu sehen, nicht durch Natur, sondern durch Kunst unterhalten zu werden, nicht eine Individualität, sondern ein Resultat anzuschauen."</p></blockquote>
<p><em>Hans Rothe, Shakespeare als Provokation, München 1961, S. 53</em></p>
<p>Der Autor vermutet unter anderem, Shakespeare habe z.B. die Rolle der Lady Macbeth für sich selbst geschrieben - betont jedoch, daß dafür keine Belege vorlägen. Jedoch auch keine, die die Behauptung falsifizieren würden.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Was ist aus der Politikwissenschaft geworden?]]></title>
<link>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=562</link>
<pubDate>Sun, 20 Apr 2008 18:13:09 +0000</pubDate>
<dc:creator>chezweitausendeins</dc:creator>
<guid>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=562</guid>
<description><![CDATA[Einer der absoluten Doyens der Politikwissenschaft in Deutschland hatte es vor Jahren abgelehnt, mei]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Einer der absoluten Doyens der Politikwissenschaft in Deutschland hatte es vor Jahren abgelehnt, meine Dissertation zu rezensieren. Die Begründung war interessant. Sie lautete: "Die Arbeit reflektiert den neuesten Stand der Forschung zum Nationalsozialismus. Das ist kein aktuell diskursrelevantes Thema für die Politikwissenschaft." Treffender hätte er die Wandlung des Fachs kaum ausdrücken können. Die Politikwissenschaft, die ich einmal studiert hatte, war eine Mischung aus Zeitgeschichte (von der Geschichtswissenschaft dadurch unterschieden, dass die Zeit vor 1933 eine geringe, die nach 1950 hingegen eine große Rolle spielte und dass die außereuropäische Zeitgeschichte in Deutschland viel eher von Politologen als von Historikern behandelt wurde), politischer Ideengeschichte, Ideologiekritik, Sozialpsychologie, vergleichender Politikwissenschaft und politischer Philosophie. Heute ist es eine Anwendungswissenschaft geworden, die Parteien, Verbänden, Gewerkschaften und Unternehmen politikwissenschaftliche Studien als Dienstleistung anbietet. I am out of time.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[nomaden-kirche]]></title>
<link>http://kellion.wordpress.com/?p=214</link>
<pubDate>Sun, 20 Apr 2008 17:11:14 +0000</pubDate>
<dc:creator>beisasse</dc:creator>
<guid>http://kellion.wordpress.com/?p=214</guid>
<description><![CDATA[Zur Verbindungslinie von Landeskirche und Emergent Conversation, zu der Simon de Vries schon Thesen ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Zur <strong>Verbindungslinie von Landeskirche und Emergent Conversation,</strong> zu der <a href="http://www.vries-land.de/emerging-landeskirche-initiative" target="_blank">Simon de Vries schon Thesen aufgestellt hat und zu einer Initiative einlädt</a>, weise ich auf einen Aufsatz von Jörn Halbe, ehemaliger Leiter des Pastoralkollegs (der Nordelbischen Kirche), Ratzeburg, hin. In dem Aufsatz mit dem schönen Titel <a href="http://kellion.files.wordpress.com/2008/04/die-dunne-haut-der-zelte.pdf" target="_blank"><strong>"Die dünne Haut der Zelte"</strong></a> beschreibt er, wie die (nordelbische) Kirche, die vom Modell der Ortsgemeinde ausgeht (wie es sich auch in ihrer Verfassung niederschlägt), sich herausgefordert sehen muss durch die neue Flexibilität der Menschen. Er schreibt u.a.:</p>
<blockquote><p>"Wir werden auf diese Bestimmung des hier mit 'Transit-Raum' Gemeinten zurückkommen müssen: Als 'transitorischer Ort' ist Gemeinde was anderes. – Aber es fehlt noch entscheidend die Konsequenz, zu der Sloterdijk führt:</p>
<p>Moderne Gesellschaften nämlich tendieren zugleich zu beiden Extremen: in ständig sich steigernder Mobilität zu dem des ‚Selbst ohne Ort’, in der sich laufend vermehrenden Zahl von Transit-Räumen zu dem des 'Orts ohne Selbst' – 'mit einem schrumpfenden Mittel-grund aus gewachsenen Regionalkulturen und ortstreuen Zufriedenheiten.'"</p></blockquote>
<p>Schon als ich zu bloggen begann (an anderer Stelle), hat mich dieser Aufsatz geprägt und mich damals zu dem Blog-Untertitel "Unterwegs mit der Kirche in Zelten, Ressourcen für Liturgie und Spiritualität in einer postkonfessionellen Kultur" inspiriert. Eigentlich ist es die Initiative von Simon, die mich veranlasst, jetzt diesen Aufsatz einmal bereit zu stellen. Wo ich selber aber bin, ist wohl eine andere Geschichte. Immer noch bin ich bloss der Beisasse, dessen nomadische Existenz mir kaum Heimat im äusseren beschert.</p>
<ul>
<li><a href="http://kellion.files.wordpress.com/2008/04/die-dunne-haut-der-zelte.pdf" target="_blank">Jörn Halbe: Die dünne Haut der Zelte (pdf)</a></li>
<li>Weiterer Fundort des selben Aufsatzes: <a href="http://www.gottesdienstinstitut-nek.de/Aufsaetze.htm" target="_blank">gottesdienstinstitut-nek.de &#62; Von der Zerbrechlichkeit kirchlicher Strukturen</a></li>
<li><a href="http://www.vries-land.de/emerging-landeskirche-initiative" target="_blank">vries-land.de &#62; Emerging Landeskirche - Initiative</a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Was läuft?]]></title>
<link>http://jadien.wordpress.com/?p=15</link>
<pubDate>Sun, 13 Apr 2008 15:59:09 +0000</pubDate>
<dc:creator>jadien</dc:creator>
<guid>http://jadien.wordpress.com/?p=15</guid>
<description><![CDATA[Ich schreib euch mal ein paar Sätze dazu, was ich gerade so mache.
Seit Februar absolviere ich mein]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Ich schreib euch mal ein paar Sätze dazu, was ich gerade so mache.</p>
<p>Seit Februar absolviere ich mein Fachpraktikum im Stadtjugendamt Gießen, Abteilung Allgemeiner Sozialer Dienst. Seitdem letzte Woche die Uni wieder losgegangen ist, bin ich nur noch in Teilzeit im Amt (ein voller und zwei halbe Tage). Ich habe dort schon sehr viele Eindrücke und einen guten Überblick über den ganzen Sektor "Jugendhilfe" gewinnen können. Das kann ich nur jedem Pädagogik-Studenten empfehlen! Auch wenn man dort Vieles mitbekommt, was einem ganz schön auf den Magen schlägt.. Wer also denkt, dass Familiensituationen á la "Super-Nanny" nur gestellt sind, kann sich dort auf jeden Fall eines besseren belehren lassen. Meine Anleiter sagen: Man muss sich ganz klar vor Augen halten, dass diese Familien nur einen kleinen Prozentsatz von allen ausmachen. Sonst hält man das auf Dauer nicht durch...</p>
<p>Nebenbei schreibe ich an meinem Praktikumsbericht (mit Studienteil "Interkulturelle Kompetenzen") und an einer soziologischen Studienarbeit über "Demenz in Deutschland". Das muss ich auch bald fertig bekommen, da ich mich langsam zum Diplom anmelden muss. Hierfür stehe ich allerdings noch in Verhandlungen.. Das Finden eines Betreuers für meine Diplomarbeit gestaltet sich leider schwieriger als ich es mir gewünscht hatte. </p>
<p>Ich hoffe, dass ich im Laufe der nächsten Woche hier mehr Klarheit habe und ich ich evtl. doch näher bei meinem eigentlich Wunschthema bleiben kann: "Muslimische Mädchen zwischen Tradition und Postmoderne". Sollte der Schuss nach hinten losgehen, werde ich wohl ein etwas theoretischeres Thema wählen "müssen", und zwar: Bildungsprivilegien. Das finde ich zwar auch interessant, aber nicht so optimal, wenn ich mich nach dem Studium im jugendpädagogischen Praxisfeld bewerben möchte..</p>
<p>Naja, ПОСМОТРИМ! :-)</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Vom Sinn und Zweck des Studiums]]></title>
<link>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=547</link>
<pubDate>Thu, 10 Apr 2008 17:44:45 +0000</pubDate>
<dc:creator>che2001</dc:creator>
<guid>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=547</guid>
<description><![CDATA[&#8220;Das Studium ist zuallererst eine Zeit der kreativen Muße, in der man sich in neuen Lebenswei]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>"Das Studium ist zuallererst eine Zeit der kreativen Muße, in der man sich in neuen Lebensweisen, Beziehungen und Wohnprojekten ausprobiert, sich auf abenteuerlichen Rucksacktouren den Wind der weiten Welt um die Nase wehen lässt und das Leben als Experiment angeht. Natürlich stehen die Studieninhalte im Mittelpunkt, das Ziel des Studiums ist aber keine Fachausbildung, sondern die Ausbildung einer allseits gebildeten, sozial kompetenten, erfahrenen und gefestigten Persönlichkeit. Herzensbildung, interkulturelle Kompetenz und Welterfahrung sind unverzichtbare Bestandteile davon, und daher ist StudentIn sein eine subkulturelle Lebensform, die zur kleinbürgerlichen Normalität in einem unverrückbaren Gegensatz steht."  Das war unsere Position im Uni-Streik 1987, mit der wir uns stark von den Standpunkten der bürgerlichen Gruppen, zu denen wir auch den MSB- Spartakus rechneten, abgrenzten. Die wollten letztendlich nur Verschärfungen verhindern. Demgegenüber war unsere Position im engsten Sinne autonom: Die Selbstentfaltung des Einzelnen stand im Mittelpunkt als ein unveräußerliches Recht, für das gekämpgt wurde, by any means necessary. So fern das angesichts der heutigen Unistrkturen auch erscheinen mag, ich vertrete es unverändert, und ich meine, nach genau dem Muster sollten wir mal die Arbeitswelt angehen. Es gibt keine Sozialpartner. Das sind Klassenfeinde, und gegen Feinde wird gekämpft.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Stimmt das?]]></title>
<link>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=545</link>
<pubDate>Thu, 10 Apr 2008 07:05:44 +0000</pubDate>
<dc:creator>momorulez</dc:creator>
<guid>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=545</guid>
<description><![CDATA[&#8220;Selbst im extremen Fall der Kunst verhält es sich so, dass wir der nicht-propositionalen äs]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>"Selbst im extremen Fall der Kunst verhält es sich so, dass wir der nicht-propositionalen ästhetischen Erkenntnisse <em>am</em> Kunstwerk nicht ohne das Medium propositionaler Erkenntnisse <em>über</em> das Kunstwerk teilhaftig werden können."</p>
<p><em>Martin Seel, Über Richtigkeit und Wahrheit. Erläuterung zum Begriff der Welterschließung, in ders: Sich bestimmen lassen, S.57</em></p></blockquote>
<p>"Propositionale Erkenntnisse" sind, schlicht formuliert, solche, die sich in der Form "daß p" formulieren lassen - "Es ist der Fall, daß es regnet". Ist es beim Betrachten eine Cézannes so, daß wir die Harmonie parallel zur Natur nur dann wirklich erfassen, wenn wir sie <em>als</em> Harmonie parallel zur Natur betrachten und über sie in solchen propositionalen Strukturen sprechen?</p>
<p>Ergänzend schöne Sätze aus der letzten "Die Zeit":</p>
<blockquote><p>"Der Historiker, so Aristoteles, erzählt davon, "was passiert ist"; der Poet erzählt davon, "was passieren kann". Das ist, kurz gefaßt, der Unterschied zwischen Geschichtsschreibung und Literatur. Oder wie es ein Hollywood-Produzent knapp 2400 Jahre später sagte: "Pass bloß verdammt auf, dass dir die Fakten nicht die Wahrheit verwässern."</p>
<p>Es gibt, so könnte man sagen, eine höhere Wahrheit der Literatur, die nicht allein auf dem Fundament von Fakten beruht (...)."</p>
<p><em>Georg Diez, Gerechter Krieg?, in: DIE ZEIT Nr. 15 2008, S. 53</em></p></blockquote>
<p>Wer hat denn nun recht? Seel, Aristoteles oder der Hollywood-Produzent?</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Das viel zu lange und nicht mal besonders glückliche Leben von Schrödingers Katze]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/?p=257</link>
<pubDate>Tue, 08 Apr 2008 18:00:00 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/?p=257</guid>
<description><![CDATA[Schrödinger selbst verstand die Sache als Witz. Als er sein Gedankenexperiment vorschlug, bezeichne]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><strong>Schrödinger selbst verstand die Sache als Witz. Als er sein Gedankenexperiment vorschlug, bezeichnete er es als „burleske" Konstruktion, mit der er einen Mangel am damaligen Verständnis von Quantenphysik aufzeigen wollte. Aber noch heute wird Schrödingers Katze diskutiert, mystifiziert und in allen abwegigen Aspekten als für unser Weltbild relevant verstanden. Zeit, einen etwas nüchterneren Blick auf den meistdiskutierten Katzencontent des letzten Jahrhunderts zu werfen.</strong></p>
<p style="text-align:center;"><a href="http://kamenin.files.wordpress.com/2008/04/lol_schroedinger.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-258" src="http://kamenin.wordpress.com/files/2008/04/lol_schroedinger.jpg" alt="LOL SCHRÖDINGER" width="249" height="349" /></a></p>
<p style="text-align:justify;">Wie hier schon <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/01/20/beobachtereffekte-in-der-quantenphysik-ii-das-doppelspalt-experiment/">besprochen wurde</a>, verhält sich die Welt auf der subatomaren Ebene eher verwirrend: Elektronen durchfliegen zwei Spalte gleichzeitig oder befinden sich gleichzeitig in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Quantenschwebung">zwei verschiedenen Atomorbitalen</a>; mithin alles Dinge, für die uns in naiver Weltsicht die Anschauung fehlt. Mathematisch lässt sich das Verhalten derweil exakt und problemlos beschreiben, zum Beispiel unter Zuhilfenahme einer Wellenfunktion, die den Aufenthaltsort des Teilchens beschreibt. Der tatsächliche Zustand oder Ort des Teilchens ist dann gegeben durch die Überlagerung aller möglichen Wellenfunktionen: wir sehen Überlagerungsmuster hinter einem Doppelspalt, wir messen durch die Überlagerung entstehende Schwebungen im Fall der Atomorbitale. Dabei finden wir für das einzelne Teilchen durchaus in der Messung (etwa auf dem Schirm hinter dem Doppelspalt) einen einzelnen Aufenthaltsort für jedes einzelne Teilchen, nur solange wir nicht messen, scheint er allein durch die Ausbreitung der Wellenfunktion gegeben; darum korrelieren die Auftreffpunkte hinter dem Doppelspalt eben auch mit den Werten, die die Wellenfunktion an den Punkten einnimmt.</p>
<p style="text-align:justify;">Das rauszufinden und exakt zu beschreiben war für die Quantenphysiker des letzten Jahrhunderts (vor PISA-Schock und <a href="http://kamenin.wordpress.com/2007/07/04/video-spiele-sex-und-wissenschaft/">Frauen an den Instituten</a>) noch nicht wirklich Raketenwissenschaft. Man konnte die nötigen Beschreibungen ableiten und experimentell mal um mal bestätigen. So hat man dann eine Weltbeschreibung, in der auf subatomarer Ebene die Teilchenzustände als Überlagerung ihrer möglichen Wellenfunktionen gegeben sind, bis sie eben gemessen werden: dann "kollabiert" die Wellenfunktion und wir befinden uns in unserer gewohnten Alltagswelt wieder.</p>
<p style="text-align:justify;">Es gibt dabei nur ein Problem: wie und wann kollabiert denn die Wellenfunktion? Wenn wir uns darauf beschränken, dies gerade dem Experimentator und seiner Messung zuzuschreiben und wir vor der Messung nur Quantenwelt und Wellenüberlagerung annehmen, kommen wir schnell in an sich absurde Situationen. Und eben darauf wollte Erwin Schrödinger mit seinem Gedankenspiel hinweisen:</p>
<p style="text-align:justify;">Man nehme eine Katze und setze sie in eine Kiste. An die Kiste angeschlossen ist ein Mechanismus, der die Katze töten kann (und wird), wenn er ausgelöst wird -- Auslöser ist aber zum Beispiel der Zerfall eines radioaktiven Atoms. Wann das radioaktive Atom zerfällt, ist rein zufällig, aber wir können den Zustand des Atoms beschreiben durch die Überlagerung der Wellenfunktion „nicht zerfallen" mit der Wellenfunktion „zerfallen" und erhalten als Ergebnis eben eine Gesamtwellenfunktion des Systems. Leider bringt das unsere Katze in eine etwas prekäre Situation. Die Wellenfunktion setzt sich fort durch den kausal dahintergeschalteten Auslöser des Mechanismus, der sich nun ebenfalls in einer Überlagerung von „ausgelöst" und „nicht ausgelöst" befinden sollte, und damit eben weiter in die Box und in die Katze: diese liegt nun offensichtlich ihrerseits in einer Überlagerung der Zustände „Katze" und „Ex-Katze" vor. Und zwar ganz buchstäblich, nicht nur in einer Form ausgeprägten Ennuis des frühen Zwanzigsten Jahrhunderts. Und dieser Überlagerungszustand ändert sich erst, wenn wir die Kiste aufmachen und nachsehen.</p>
<p style="text-align:justify;">Das alles scheint ein Mysterium, vielleicht nicht zwangsläufig, aber oft genug wird es dazu gemacht. Warum man oft auf dieser Ebene stehen bleibt, ist eine interessante Frage. Zum einen kommt es unserem menschlichen Egozentrismus und unserer alles beherrschenden Ich-Perspektive natürlich blendend entgegen: erst unsere Wahrnehmung entscheidet über die Realität. Das ist in vielen Dingen sowieso unser Welterleben. Philosophisch passt es zudem wunderbar in die Erzählungen der idealistischen Tradition: wenn im leeren Wald ein Baum umfällt, ist er dann überhaupt umgefallen? Wer wollte es Physikern vorwerfen, dass sie ins Philosophieren kommen, wenn sie sich doch einmal aus ihrer nüchternen Wissenschaft in die vorgebliche Hochsphäre der Philosophie geworfen finden. Dass sich die Geschichten über die vermeintlich gleichzeitig tote wie lebendige Katze immer noch so verbreiten, dürfte aber auch nicht zuletzt an Physikstudenten selbst liegen: zum einen die selten gewaschenen Live-Rollenspieler mit Zombiefilm-Vorlieben, die das alles ganz spannend finden; zum anderen die sozial arg gehandicapten Nerds, die jenseits der Arbeit wenig kennen und überm Bier auch mal eine <em>coole</em> Geschichte erzählen, vielleicht sogar ein Frau beeindrucken wollen, um sie ihrerseits mal in die Kiste zu bekommen. So verbreiten sich dann Gerüchte. Man möchte sie alle in Kisten sperren und... dann in den Kisten lassen.</p>
<p style="text-align:justify;">All das geht an Schrödingers Kernfrage vorbei: wie und wann entsteht aus der Quantenwelt der Wellenfunktionen und Überlagerungen unsere eigentliche Welt, in der wir uns täglich bewegen und nie auf Dinge stoßen, die gleichzeitig tot und lebendig sind? Vor der Beantwortung der Frage lohnt es sich aber, die populären Missverständnisse über Schrödingers Katze durchzugehen und zu sehen, wo sie irren.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Erstes Missverständnis: <strong>Die Wellenfunktion kollabiert, wenn wir die Kiste öffnen; dann stellen wir fest, ob die Katze die ganze Zeit tot oder lebendig war</strong> -- So funktioniert Quantenphysik eben gerade nicht. Wenn tatsächlich ein Überlagerungs- oder Wellenfunktionszustand vorliegt, dann wird der nicht nachträglich dadurch negiert, dass die Wellenfunktion irgendwann kollabiert. Im Doppelspaltexperiment kollabiert die Wellenfunktion des Elektrons eben am Schirm -- aber das Teilchen war dennoch auf seinem Weg als Welle unterwegs, nicht als Teilchen, wie uns die Auftreffpunkte eindeutig beweisen. Wir können so experimentell unterscheiden, ob ein Objekt sich klassisch fortbewegt oder quantenmechanisch. Sollten wir Schrödingers Katzenexperiment tatsächlich durchführen und könnten wir an der dann lebenden oder toten Katze keinen Unterschied sehen zu einer klassisch überlebenden oder gestorbenen Katze, dann ist das ein guter Hinweis darauf, dass die Katze nie in einer relevanten Überlagerung von Zuständen war. Andersherum: beim Öffnen der Kiste mag die Wellenfunktion der Katze kollabieren, das ändert aber nichts daran, dass sie sich gegebenenfalls die ganze Zeit in einer Überlagerung von Wellenzuständen befunden hat. Wir finden also nicht die tote oder lebende Katze, sondern vielleicht eher etwas, was wir bisher nur in <em><a href="http://imdb.com/title/tt0091064/">Die Fliege</a></em> gesehen haben. Wenn denn.</p>
<p style="text-align:justify;">Zweites Missverständnis: <strong>Unser Bewusstsein oder unser Wahrnehmen bringt die Wellenfunktion zum Kollabieren, darum müssen wir die Box öffnen</strong> -- Dass das so nicht stimmt, dass es zumindest nicht aus der Physik folgt, habe ich in dem <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/01/20/beobachtereffekte-in-der-quantenphysik-ii-das-doppelspalt-experiment/">vorangegangenen Quantenphysik-Beitrag</a> schon darzustellen versucht. Naiv stellt sich da sowieso die Frage, warum das vergleichsweise direktere Wahrnehmen der Katze dazu nicht ausreichen sollte. Tatsächlich wurde dieser Lösung aber vorgeschlagen, etwa vom Nobelpreisträger <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wigners_Freund">Eugene Wigner</a>, der darin eine Bestätigung des ontologischen Dualismus sah: die Wellenfunktion kann sich durch den mechanistischen Auslöser ziehen, in unserer bewussten Wahrnehmung sind uns solche Zustände aber unbekannt. Ergo: das Bewusstsein ist nicht mechanistisch oder materiell und konstituiert im Vorgang des Bewusstmachens erst die ansonsten unbestimmte Realität. Beide Behauptungen sind aber anzuzweifeln: zieht sich die Wellenfunktion tatsächlich durch den Auslöser? Woher wissen wir, dass sich nicht auch durch unser Bewusstsein Wellenüberlagerungen ziehen, wenn wir es nicht anders kennen? Welche physischen Objekte haben überhaupt Bewusstsein: nur der Mensch, eine Katze oder auch eine bewusstlose Katze? Bestenfalls kommt man so mit viel Mühe zu einem Weltbild, dessen einzige Qualität die Ununterscheidbarkeit zu einem nicht-idealistischen Weltbild objektiver Realität ist. Schlimmstenfalls kann man das dann aber auch wieder weitertreiben, um am Ende zum eh nicht widerlegbaren Solipsismus zu gelangen: alles ist Wellenüberlagerung, und nur mein Gehirn konstituiert für mich allein daraus die Welt.</p>
<p style="text-align:justify;">Drittes Missverständnis: <strong>Das Öffnen der Box ist die Messung, die zum Kollaps der Wellenfunktion führt</strong> -- Das ist eng verwandt mit dem vorherigen Punkt, wird aber oft nicht so verstanden. Wie im Doppelspalt-Experiment die rein mechanistische Messung des Elektronenweges schon die Wellenfunktion kollabieren lässt, nicht die Aufmerksamkeit des Doktoranden am Detektor, so werden auch hier schon Messungen veranstaltet, bevor irgendeine Katze zu schaden kommen kann. Der Zerfall des radioaktiven Atoms muss ja irgendwie registriert werden, damit er den Mechanismus auslösen kann. Das mag etwa durch einen Geiger-Zähler geschehen. In dem Punkt geht das vom Atom abgestrahlte Photon aber eine Wechselwirkung ein, ähnlich wie es das auf dem Schirm hinter einem Doppelspalt tun würde. Wenn wir davon ausgehen, dass die Wellenfunktion an dem Punkt im Doppelspaltexperiment zusammenbricht, dann wird sie das auch bei Schrödingers Katze tun. Insbesondere treten danach, in dem eigentlichen Tötungsmechanismus eine Vielzahl anderer Wechselwirkungen auf, die sich schließlich dazu aufsummieren müssen, dass wir am Ende eine tote Katze haben. All das sind Wechselwirkungen, die potenziell das Kollabieren der Wellenfunktion nach sich ziehen -- davon „erholt" sich die Wellenfunktion auch nicht mehr, weil sie jetzt auf eine Kausalkette „Atom ist zerfallen" festgelegt ist. Dem Idealisten oder Zweifler bleibt da nur der Weg, auch im Doppelspaltexperiment zu fordern, dass sich der Schirm erst füllt, wenn jemand einen Blick darauf wirft; aber der knallharte Idealist oder Postmodernist glaubt da vermutlich eh nicht, dass es überhaupt einen Schirm oder ein Experiment gibt, solange er das alles nicht wahrnimmt.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Damit nähert man sich der Beantwortung der Frage, die Schrödinger eigentlich umtrieb. Es scheinen die Wechselwirkungen mit der Umgebung zu sein, die dafür sorgen, dass Wellenfunktionen sich nicht ewig ausbreiten und komplexere Systeme keine Anzeichen dafür erkennen lassen, dass sie in überlagerten Quantenzuständen vorliegen können. Tatsächlich ist dieser Grenzbereich zwischen Quanten- und klassischer Welt derzeit unter genauer Beobachtung; nicht, weil Wissenschaftler plötzlich ihre Vorliebe für Katzen entdeckt hätten, sondern weil alles, was irgendwie mit Quantencomputern zusammenhängt, <span style="text-decoration:line-through;">sich gerade gut auf Förderanträgen macht</span> derzeit von großem Interesse ist. Hier konnten Physiker der Uni Frankfurt im letzten Jahr das Doppelspalt-Experiment so nachstellen, dass sie (ganz ohne „Beobachtung") die Wellenfunktion eines Elektrons dadurch zum Kollabieren und die Überlagerungsmuster am Schirm dadurch zum Verschwinden brachten, dass sie dieses Elektron <a href="http://physicsandphysicists.blogspot.com/2007/11/simplest-2-slit-and-decoherence.html">eine einzige Wechselwirkung</a> mit einem einzelnen anderen Elektron vollführen ließen. Daneben gibt es immer noch exotischere Theorien wie <a href="http://discovermagazine.com/2005/jun/cover/article_view?b_start:int=0&#38;-C=">die von Roger Penrose</a> [1], dass selbst ein ansonsten ungestörtes System schließlich seine Wellennatur verliert, nämlich durch den Einfluss der Gravitation auf das System. Und die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Viele-Welten-Interpretation">Viele-Welten-Interpretation</a> hat sowieso kein Problem mit all dem und kann sich von außen gelassen anschauen, was wir über die Welt hier herausfinden.</p>
<p style="text-align:justify;">Was immer das auch sein mag und was immer sich auch in geschlossen Boxen so abspielen mag: die Frage, ob Schrödingers Katze wirklich in einer Überlagerung von lebendigem und totem Zustand dahinvegetiert, bis jemand die Kiste öffnet, ist wissenschaftlich und philosophisch etwa so relevant wie die bierinduzierten Überlegungen des Fußballfans, der sich vor der Sportschau fragt: wenn ich die Ergebnisse nicht kenne, hat meine Mannschaft dann überhaupt schon gewonnen oder verloren?</p>
<p style="text-align:justify;">Aber auch um solche Fragen sind ja ganze Institute herumgebaut worden.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">[1] <span style="color:#808080;">Zusatzzitat daraus an die Adresse aller Pseudowissenschaftler, Metaphysiker und Empirieverächter:</span></p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">If something is wrong with a theory, or there is some experimental anomaly, those are motivations for changing a theory. When your motivation comes from a metaphysical reluctance for reality to be a certain way, then historically that kind of motivation has never produced the right answers.</p>
</blockquote>
<div style="text-align:right;">-- David Deutsch</div>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Nachtrag</strong>: Wer alle beiden hier versteckten Cheeseburger-Referenzen auf Anhieb finden und benennen kann... sollte dringend öfter rausgehen.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Konstantin und Trigorin]]></title>
<link>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=542</link>
<pubDate>Mon, 07 Apr 2008 20:04:31 +0000</pubDate>
<dc:creator>momorulez</dc:creator>
<guid>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=542</guid>
<description><![CDATA[Angesichts dessen, daß ich mich auf eine jener Professuren, deren Besetzung dort drüben ebenso wor]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Angesichts dessen, daß ich mich auf eine jener Professuren, <a href="http://www.thing-hamburg.de/index.php?id=303&#38;no_cache=1&#38;tx_ttnews[tt_news]=189&#38;tx_ttnews[backPid]=295&#38;cHash=868bc4f70d" target="_blank">deren Besetzung dort drüben ebenso wortreich wie, na, pardonnez-moi, irgendwie doch auch ein wenig minderbemittelt attackiert wird</a>, auch beworben habe, bin ich ja fast froh, nicht genommen worden zu sein. Oder auch gerade nicht: Wer sich von so einem Wortwust einschüchtern ließe, hätte ja nun auch nicht das Zeug dazu, Kunst zwischendurch mal wieder ernst zu nehmen - was die Verfasser des Pamphletes, so scheint's mir zumindest, gar nicht tun. Weil sie vermutlich gar keine Ahnung von dem haben, was sie kritisieren, und Lehrer fordern, die es ihnen gleich tun. Na, und mich da eines Besseren belehren zu lassen, das hätte mir dann doch gefallen.</p>
<p>Weiß gar nicht, ob meine Unterlagen je zur Berufungskomission vorgedrungen sind, Frau bin ich auch nicht. Bin wahrscheinlich sofort wegen "zu  wenig künstlerisch" auf irgendeinem Abweisungs-Stapel gelandet, jenem für doofe Kommerzheinis. Als ich dann las, daß Pepe Danquard die Stelle erhielt, konnte ich daran gar nix Schlimmes finden, hatte dieser in seinem Film über die Tour de France doch einen Blickwinkel in's Bild gesetzt, der das Medium in einer bestimmten Hinsicht auch wirklich ausreizt und neue Perspektiven schafft. Okay, da ist mein Oeuvre viel breiter gefächert und in der Tat kommerzieller angelegt, hat eher inhaltlich Maßstäbe gesetzt, hat formal auch Gruseliges in Bewegung gesetzt, kann ich ja nix für, und ich bin trotzdem verdammt stolz darauf.</p>
<p>Wenn ich dann allerdings das folgende lese:</p>
<blockquote>
<h2><span><span style="font-size:x-small;">"Wir glauben nicht an Spielfilmrezepte, nicht an Fernsehästhetiken, nicht an die Masse des Gebrauchsfilms und wir wollen uns nicht als Auszubildende in einem solchen Parametersystem wieder finden."</span></span></h2>
</blockquote>
<p>... dann frage ich mich trotzdem, was das eigentlich heißen soll. Sind doch Floskeln. Insbesondere dann, wenn weiter unten sich dann zwei außerordentlich widersprüchliche Aussagen finden:</p>
<blockquote><p><span style="font-size:x-small;">"Unbegrifflichkeit macht Kunst für uns aus."</span></p>
<p>und:</p></blockquote>
<blockquote><p><span style="font-size:x-small;">"Wir brauchen einen Lehrkörper, der Assoziationsräume öffnet, Theoriebögen schlägt, Kritik argumentieren kann, philosophische Auseinandersetzungen mitträgt, allgemeine wie persönliche Diskurse befruchtet und eine inspirierende, tatsächlich interdisziplinäre Umgebung schafft."</span></p></blockquote>
<p>Und das dann im Sinne des reinen, nicht-begrifflichen Ausdrucks? Oder wie? Literatur nunmehr der Kunst entäußert, und Dokumentarfilm habe mit Begriffen nix zu tuen? Wie jetzt?</p>
<p>Nix gegen Widersprüche, die sich nicht auflösen lassen, aber das kippt wirklich in Nonsens um, so in Kombination. Adornos Nichtnachlassen in der Arbeit am Begriff, der über sich hinauszutreiben, zu dynamisieren ist, scheint den sich Sloganhaftigkeit ergebenden Studenten da drüben zumindest noch niemand beigebracht zu haben. Nicht-begrifflich landet man zumindest nicht bei interdisziplinären Diskursen, noch nicht mal beim Sex. Gruselig auch das Konsumentenschema den Professorenbiographien gegenüber:</p>
<blockquote><p><span style="font-size:x-small;">"Als Vorbilder fordern wir Menschen, die ihr Metier leben und lieben – über sich hinaus auf ein künstlerisches Mehr verweisend."</span></p></blockquote>
<p>Ja, Frau Goetsch hat sich neulich gegen den Herren von der FDP gewandt, dieser solle nicht für Raucherzonen plädieren, er sei schließlich Vorbild. In irgendeiner Fernsehdiskussion vor der Wahl war das, wo Herr von Beust jeden Satz mit den Worten "Ich will!" oder "Ich will nicht!" begann, ein Gestus, der den Verfassern des Pamphletes auch nicht fremd zu sein scheint. Und woher wissen die denn, daß man als Kommerzheini sein Werk nicht auch lebt und liebt? Und wie man das tut? Da fühle ich mich tatsächlich persönlich angepißt. Was eine Hybris.</p>
<p>Wer das künstlerische Mehr eines Films über die Tour de France nicht wahrzunehmen vermag, scheint doch über einen sehr spezifischen Begriff von Kunst zu verfügen und den dann auch der Welt verordnen zu wollen. Klar fällt da auch der Satz: <span style="font-size:x-small;">"Für Filmkunst darf es keine normative Definition geben", genau davon findet sich aber jede Menge im Text selbst: Spielfilmlänge z.B. scheint jedenfalls tabu zu sein, oder wie ist der folgende Passus zu verstehen:</span></p>
<blockquote><p><span style="font-size:x-small;">"sondern als singulärer, künstlerischer Ausdruck, dessen Wertigkeit nicht an seiner Länge messbar ist. Es hat es nicht nötig, sich an den Konventionen des abendfüllenden Programms zu orientieren."</span></p></blockquote>
<p>Schön wäre es ja, wenn man den Eindruck hätte, daß die Verfasser auch nur die geringste Ahnung davon haben, wie denn die Verwertungslogik, die Logik der industriellen Fertigung und die Konvention, gegen die vermeindlich sie sich richten, beschaffen sind. Nur dann kann man sich auch künstlerisch-kritisch dazu verhalten - übrigens auch und gerade dazu, daß es die Singularität ist, die die Malerei auf Kunstmärkten zu diesen ungeheuren Preisen trieb. Verknappung und Exklusivität sind halt Kennzeichen jedes Hochpreissegmentes, ebenso wie das Ausscheren aus dem "Gewöhnlichen", z.B. der gängigen Fernsehästhetik. Und so'n Autorenname ist auch ein Markenzeichen.</p>
<p>Diese Berufung auf den Autorenfilm der 70er ist mir eh bei der HfbK ein Rätsel, Roland Barthes hatte ja gute Gründe, den Tod des Autors zu beschwören. Und das Medium Film ist genau deshalb so reizvoll, weil es zumeist Teamwork ist, es sich kommunikativ konstituiert: Cutter, Kameramänner, Beleuchter und all die Leute, die man auch beim Dokumentarfilm braucht, liebt und mit denen gemeinsam man eine Welt erschafft die eben mehr ist als die Summe jener, die ihr zuarbeiten, genau das macht doch das Einzigartige dieses Mediums aus. Und der so gemeinschaftlich erzeugte Gegenstandsbezug. Das unterscheidet den Dokumenatrfilm ja von anderen Formen bildender Kunst. Er ist auch ein Crossover zwischen Journalismus und künstlerischen Mitteln, schon deshalb geht die Argumentation dort drüben schlicht fehl. Als Dokumentarfilmer hat man Hunter S. Thompson und Truman Capote ebenso ernst zu nehmen wie Kafka oder Beckett. Und auch den "Ulysses".</p>
<p>Wim Wenders wußte doch, wieso er Nick Cave und solche Leute auf die Bühne stellt im "Himmel über Berlin": Weil Kunst in Relationen verortet ist und kein Medium besser dazu taugt, diese auch zu reflektieren, als eben der Film.</p>
<p>Da greifen Sinn-Ebenen ineinander und kommentieren sich wechselseitig, Ton (!!!), Text und Bild prallen aufeinander oder vereinen sich, je nachdem, und dieser "Zeitkunst" (wie auch die Musik oder das Fussballspiel es sind) eröffnen sich Erlebnisräume, die für den einzelnen, sich ausdrückenden Künstler viel zu groß sind. Genau deshalb malt der Daniel Richter doch so großformatig und schreibt dann "Captain Jack" darauf, genau deshalb liebt er "Buffy im Banne der Dämonen" : Weil er es weiß. Genau deshalb die Referenzen auf "Freitag der 13." bei Peter Doig und die Verfielfältigung der Marilyn bei Warhol.</p>
<p>Insofern ist es mir auch unverständlich, welche gesellschaftliche Vision und Verantwortung sich bei Leuten zeigt, die sich so inständig weigern, in Konfrontation mit Realitäten, z.B. ökonomischen, zu treten. Und damit meine ich ganz ausdrücklich nicht den Protest gegen Studiengebühren oder sonstige "Reformwerke", diese ganze Kritik am Institutionellen teile ich, aber, wie der Volksmund sagt: Schütte das Kind nicht mit dem Bade aus.</p>
<p>Man muß diesen ganzen Creative Writing und "wie schreibe ich ein Drehbuch"-Müll schon kennen, will man sich zu ihm verhalten. Man muß schon wissen, wie Guido Knopp - formal - arbeitet, wenn man was gegen ihn hat. Dann, und nur dann, kann man's nämlich anders machen.</p>
<p>Ohne die Poetik des Aristoteles und dem, was aus ihr wurde, wären Tschechows Stücke nur halb so lustig, und der Konflikt zwischen Konstantin und Trigorin in "Die Möwe" gar nicht verständlich, geschweige denn die Struktur des Werkes - und solchen Werken raubt auch die Verständlichkeit nicht ihre Magie. Das Genie eines Picassos verweist auf die Salonmalerei, und genau deshalb konnte er so virtuos die frühe Moderne fortschreiben.</p>
<p>Nur wenn die Studenten da an der HfbK sich so inständig weigern, Salonmalerei, RTL2-Reportagen und die Rezeption C.G. Jungs in Hollywood zur Kenntnis zu nehmen, werden sie bei Gesellschaft nie ankommen. Schade eigentlich.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Erschöpfendes]]></title>
<link>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=538</link>
<pubDate>Sat, 05 Apr 2008 08:19:39 +0000</pubDate>
<dc:creator>momorulez</dc:creator>
<guid>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=538</guid>
<description><![CDATA[Wie beschreibt man Erschöpfung? Von innen nach außen oder umgekehrt? An Geltungsansprüchen orient]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Wie beschreibt man Erschöpfung? Von innen nach außen oder umgekehrt? An Geltungsansprüchen orientiert, expressiv, als Stimmung, die Welt mir erschließt oder als strategische Operation, Mitgefühl zu erheischen?</p>
<p>Setzt man an bei dem Gefühl, morgens kaum aus dem Bett zu kommen und doch nicht mehr schlafen zu können, das eigene Fleisch spürt sich so an wie grau? "Ich fühle mich wie gerädert", solche Sätze sind entstanden, einfach so, einst, während Menschen mit Sprache spielten, und man begibt sich in sie hinein, um zu wissen, was man fühlt - oder wie? Kleines Mittelalter-Einsprengsel steckt da drin, weil ja kein Mensch wissen will, wie's wirklich sich anfühlt, gerädert zu werden ... betonenswert sei dennoch, daß man  auch als "Geistesarbeiter" gelegentlich da hängt, die Schultern klappen nach vorne weg, die Hände sind kaum über der Tastatur zu halten und wollen - platsch - einfach niederfallen, weil allein schon ihr Gewicht auf einmal spürbar ist. Erschöpfung hat was mit Schwerkraft zu tun.</p>
<p>Der erschöpfte Mensch ist ja, ganz im Gegensatz zum Film - da darf man das nur sein, wenn man gerade stundenlang gegen Dinosaurier oder Zombies gekämpft hat und dolle Fluchten mit coolen Karren hinter sich brachte - auf der Theaterbühne durchaus trendy.</p>
<p>Der Faust überwindet sie zwar, der Hamlet wird trotz Zweifel und Hadern auch aktiv - aber bei Beckett kommt die Erschöpfung an allem und jedem zu sich selbst, und über Tschechow traue ich mich schon gar nicht mehr zu schreiben.</p>
<p>Alle Großen von Sophokles bis Beckett hatten keine andere Leitfrage als jene vierte des Immanuel Kant, die Foucault so eindrucksvoll einst attackierte: "Was ist der Mensch?". Tragischen Gewalten unterworfen, strebsam, sich kultivierend und arbeitsfreudig oder einfach nur essend, trinkend, Unsinn redend und unerfüllt begehrend? Nach politischer Freiheit strebend oder unter der existentiellen leidend - oder auch einfach nur absurd wie in Ionescos kahler Sängerin? Tragikomisch zumindest ist er in alledem sowieso, nur, koordiniert diese Erkenntnis Handlungen? Kann man darauf ein Wirtschaftssystem aufbauen?<br />
Seltsame Frage für jene, die Habermas' Exkurse zum Gattungsunterschied zwischen Literatur und Philosophie in dessen "Der philosophische Diskurs der Moderne" nicht kennen. Steckt man gerade im Tschechow-Universum fest, dann liest sich das auch ein wenig wie "Le Malentendu" von Camus oder so.  Noch grotesker wird's, wenn man dann mit den CFOs oder wie die heißen von Freunden, die Unternehmer sind, zusammensitzt und über Buisnesspläne und Inverstoreninteressen diskutiert.  Und das, nachdem man seit Monaten grübelt, welche "Gattungsunterschiede" zwischen Philosophie, Wissenschaft und Literatur denn nun eigentlich bestehen.</p>
<p>Habermas unterscheidet zwischen dem handlungskoodinierendem, problemlösenden, verständigungsorientierten, sich an "wahr", "richtig" und "authentisch" orientierendem, kommunikativen Handeln einerseits und Welterschließung durch Kunst und Literatur andererseits. Nur, so schade das ist, über letztere vermag er erschütternd wenig zu sagen. Und seine eigene Kritik des strategischen Handelns, also solchem, das Andere und Welt objektiviert zu Zwecken der Verfügbarmachung, verschwindet völlig in der Diskussion. Was ja auf ein weiteres Mißverstehen vieler Kunstwerke verweist, setzen diese doch auch nur auf Effekt oder Marktgängigkeit, und dann sagen sie ja nix als dieses selbst, sind Ergebnisse strategischen Operierens.</p>
<p>Wie eben auch das Fertigen von Buisnessplänen. Da versammelt man sich mit seinen Beratern und diskutiert ganz verständigungsorientiert über Strategien. Ist ja seltsam. Obwohl's natürlich der These von Habermas, daß strategisches Handeln dem verständigungsorientierten abkünftig sei, völlig recht gibt.</p>
<p>Nur schreibt man in Buisnesspläne nicht den "Point of Erschöpfung" oder sowas. Monat 3 bei Betriebsergebnis X: Bitte ganz vorsichtig sein mit Geschäftsführer Y, da kriecht der auf dem Zahnfleisch durch's Büro. Monat 7: Bitte alle Mitarbeiter zum Welllness-Wochenende in die Lüneburger Heide verfrachten, sonst klappen die zusammen. Monat 8: Aufgrund astrologischer Konstellationen wird Mitarbeiter Z in eine tiefe Krise schlittern, bitte unterstützen. Und bei Monat 9 steht dann einfach ein Gedicht darüber, wie Geldscheine sich anfühlen und wie wunderschön die Augen des "Mädchen für alles" am Empfang sind.</p>
<p>Noch seltsamer ist, daß der qualitative Teil dieser Mach - und Planungswerke auch nur 'ne Form von Literatur ist. Bis in die Sprache hinein: Da sind bestimmte Formen zu wahren, die dann allerdings doch eher auf Effekt aus sind. Eigentlich 'ne Form von Kitsch ist so ein Buisnessplan, allerdings auch <em>nur</em> in der Form, im Inhalt ist's eine Gemengelage. Und zwischen dem Koordinieren von Handlungen und Welterschließung kann man da beim besten Willen nicht unterscheiden.</p>
<p>Und dann lehnt man sich zurück und träumt davon, einfach mal 'nen Monat in Melichovo angeln zu gehen mit coolem Folk im I-Pod ... ja, so beschreibt man dann wohl Erschöpfung.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Tata rules]]></title>
<link>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=532</link>
<pubDate>Sun, 30 Mar 2008 17:21:39 +0000</pubDate>
<dc:creator>che2001</dc:creator>
<guid>http://shiftingreality.wordpress.com/?p=532</guid>
<description><![CDATA[Dass mit Jaguar und Landrover jetzt ausgerechnet zwei Automarken, die sehr stark mit dem Prestige de]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Dass mit Jaguar und Landrover jetzt ausgerechnet zwei Automarken, die sehr stark mit dem Prestige des späten British Empire bzw. Commonwealth identifiziert wurden in INDISCHEN Händen sind ist irgendwie lustig, oder?</p>
]]></content:encoded>
</item>

</channel>
</rss>
